Harburger Notizblätter
1926 beauftragte der Verband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern den Kunsthistoriker Theodor Harburger (1887–1949), die in bayerischen Synagogen befindlichen Ritualobjekte zu inventarisieren. Bis 1932 besuchte Harburger 213 Synagogen und dokumentierte auf über 2.000 eng beschriebenen Seiten Ritualgegenstände, Synagogaltextilien und weitere Ausstattungsgegenstände sowie Objekte des häuslichen Gebrauchs aus rund 90 Privatsammlungen. Insgesamt erfasste Harburger mehrere tausend Objekte, von denen er rund 800 fotografierte. Die handschriftlichen Aufzeichnungen umfassen Maß- und Materialangaben, detaillierte Beschreibungen, Abschriften von hebräischen Widmungsinschriften und zeichnerische Wiedergaben von Meister- und Beschauzeichen bei Silbergegenständen.
Bisher lagen Theodor Harburgers Inventarnotizen nur in handschriftlicher Form in den Central Archives for the History of the Jewish People (CAHJP) in Jerusalem im Original und im Jüdischen Museum Fürth als Mikrofilme aus den 1990er-Jahren vor.
Die wissenschaftliche Edition und digitale Erschließung dieser Aufzeichnungen stellt Wissenschaftler*innen unterschiedlichster Sparten ebenso wie einer breiten interessierten Öffentlichkeit ein wichtiges Werkzeug zur Verfügung.
Tora-Krone (Keter), Burgkunstadt (Ofr.)
- Datierung 1770–1771
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Objektart
Ritualobjekt
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Material
Silber
- Inventarnummer P160a.027.003.003
- Zugang Leihnahme
- Creditline CAHJP, P160a-027, Burgkunstadt, Bl. 3
- Zitiervorschlag Theodor Harburger, Tora-Krone (Keter), Burgkunstadt (Ofr.), 1770, CAHJP, P160a-027, Burgkunstadt, Bl. 3
- Permalink https://sammlung-online.juedisches-museum-muenchen.de/objekt/tora-krone-keter-burgkunstadt-ofr-50001776
Werktext
Keter: Silber. Stempel nicht vorhanden. Ebenfalls sehr grobe Arbeit (Nürnberg?). H.: 30,5 cm. Durchmesser: 23 cm. Auf dem 6 cm breiten Reif in der oberen Reihe Darstellung des Tierkreises und der drei Kronen (Pirke Aboth), in der unteren Reihe Beschriftung: [heb]. 6 Reifen mit Glöckchen. Auf der Spitze Weltkugel mit 6-Stern. In diesem auf der einen Seite: [heb]; auf der anderen Seite: [heb] 531=1771. Künstlerisch unbedeutend.
|שייך לה"ה הר"ר קאפיל בן כ' חנוך ז"ל וזוגתו מרת עדיל בת ה"ה הר"ר נתן ז"ל באריגקונשטט לגדול את בנום (בנם!) לתורה ולהופה (!) ולמעשים טובים א°ש°ר°י°ך° יהודא לפ"ק (1571=531) $ ש' // י' ה' // א' ה' // ברוך // ש' כ' מ' ל' // ועד $ א' // ג' ל' // ת' ק' // א' // נעשה // בש'
|Gehört dem Teuren und dem Erhabenen, dem Meister, Herrn Koppel, Sohn des geehrten Chanoch, seligen Angedenkens, und dessen Gattin Frau Edel, Tochter des Teuren und des Erhabenen, des Meisters, Herrn Nathan, seligen Angedenkens, Burgkunstadt, ihren Sohn zu erziehen zum Studium der Tora, dass er unter den Hochzeitsbaldachin tritt und zum Vollbringen guter Werke [bShab 137b]. "Wohl Dir", Jehuda [531] der kleinen Zählung. Höre, // Israel, der Ewige // ist unser Gott, der Ewige // Gepriesen // sei der Name seiner königlichen Herrlichkeit für immer // und ewig $ ist einzig // Amen // der Zählung? // 531 // gemacht // im Jahr
[Text in der richtigen Reihenfolge: Höre Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig, Gepriesen // sei der Name seiner königlichen Herrlichkeit für immer, Amen. Gemacht im Jahr 531 der Zählung (1771)]
|Harburgers Angabe "1571" ist ein Schreibfehler, es muß 1771 lauten. Das Jahr ist als Chronogramm angegeben. $ Die Angaben sind in der Zeichnung der zwei Davidsterne enthalten, größtenteils als Abkürzung bzw. Anfangsbuchstaben zweier sehr bekannter Sätze, dem Schma Bekenntnis und der (leisen) Antwort darauf. Die Jahreszahl, wurde hier als Ganzes wiedergegeben und nicht in der Reihenfolge ihres Erscheinens in den kleinen Dreiecken des zweiten Davidsterns.