Priska Schluttenhofer

  • Lebensdaten: 1898 - 1941

Biografie

Priska Schluttenhofer kam als Tochter des Viehhändlers Abraham Adolf Sänger (geb. 14. Januar 1861 in Buttenwiesen – gest. 1914 in München) zur Welt. Priskas Mutter Rosa Sänger, geb. Friedberg (geb. 30. Mai 1866 in Hamburg – gest. 21. September 1944 in Theresienstadt), stammte ursprünglich aus Hamburg und war die Tochter des Hamburger Kaufmanns Gustav Friedberg und Sophie, geb. Alexander. 1890 heirateten die beiden und lebten offenbar auch eine Weile dort. Die älteste Tochter Edith (geb. 10. Februar 1892) kam in Altona zur Welt. Im November 1892 zog die kleine Familie von Altona nach München. Priskas älterer Bruder Waldemar (geb. 1893 in Buttenwiesen – gest. 1915) wurde in Buttenwiesen geboren. Er starb im Ersten Weltkrieg. Priska kam in München zur Welt und nur eineinhalb Jahre später folgte Lothar, der in Frankfurt am Main das Licht der Erde erblickte geb. 28. September 1899 in München – gest. 1991). Das jüngste Kind Irma erlebte nur wenige Tage in München (geb. 14. Oktober 1901 in München – gest. 20. Oktober 1901 in München). Nach dem Tod des Vaters ließ sich die Familie dauerhaft in München nieder.

 

Am 20. August 1921 heiratete Priska Sänger den Handwerker Ludwig Schluttenhofer (geb. am 27 Oktober 1891 in München – gest. 9. Mai 1925 in München). Diese Ehe blieb kinderlos und galt darüber hinaus als sogenannte Mischehe, obwohl sich beide als konfessionslos betrachteten. Nach einer Ausbildung zur Schneiderin arbeitete sie 24 Jahre lang als Verkäuferin bei der renommierten Münchner Textilwarenfirma „S. Eichengrün & Co.“. Im März 1938 wurde der Betrieb enteignet und Priska Schluttenhofer entlassen. Irgendwann nach dem Tod ihres Mannes war sie die Lebensgefährtin des Künstlers Leonhard Eckertsperger (1899–1991) geworden. Nach ihrer Kündigung arbeitete sie bei einem Bekannten im Haushalt. Spätestens ab 1939 versuchte sie, gemeinsam mit Eckertsperger Deutschland zu verlassen. Sie wandte sich an das Quäkerehepaar Annemarie und Rudolf Cohen, die sich mittels einer Privateinrichtung nicht nur, aber besonders um katholisch getaufte Jüdinnen und Juden kümmerten und ihnen zur Flucht verhalfen. In manchen Fällen wie bei Priska Schluttenhofer war dies aber vergeblich. Sie wurde am 20. November 1941 nach Kaunas verschleppt und fünf Tage später dort ermordet, ebenso wie ihr Bruder Lothar. Die Mutter Rosa Sänger wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie im September 1944 starb. Edith war bereits 1928 ins Allgäu gezogen. Von ihr fehlt jegliche Spur.

 

Da es ihnen während der NS-Zeit unmöglich gewesen war zu heiraten, ließ Leonhard Eckertsperger im März 1949 postum eine Eheschließung mit Priska Schluttenhofer eintragen. Dieses sogenannte Gesetz Nr. 95 wurde im Dezember 1947 in Bayern erlassen und ermöglichte die „Anerkennung freier Ehen rassisch und politisch Verfolgter“.

 

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