Waffenfabrik Simson & Co.
- Lebensdaten: 1856 - 2003
- GND-Nr. 2113670-1
Biografie
Das Unternehmen Simson & Co. in der thüringischen Stadt Suhl wurde 1856 von Löb und Moses Simson gegründet. Ursprünglich wurde dort Holzkohlenstahl produziert, hauptsächlich für die Herstellung von Jagd- und Militärwaffen. Hauptauftraggeber waren das sächsische Kriegsministerium und die preußische Armee. Nachdem 1871 die erste Dampfmaschine in Betrieb genommen worden war, erhielt die Firma im Jahr darauf Staatsaufträge für Waffenproduktion. Ab 1880 wurden Jagdwaffen hergestellt. Ab 1896 wurde die Produktpalette erneut erweitert und das Unternehmen entwickelte sich zu einem bekannten Fahrradhersteller. Ab 1907 wurden PKW entwickelt, 1911 das erste markttaugliche Gefährt konstruiert. Während der Ersten Weltkriegs konnte die Firma Simson, die zu dieser Zeit längst die größte Arbeitgeberin in Suhl war, ihre Produktion durch die Herstellung von Gewehren, Flugmotoren und Sanitätskraftwagen vervierfachen. Nach dem Krieg musste die Waffenproduktion bis 1925 eingestellt werden. In diesem Jahr schloss Simson einen Monopolvertrag mit der Reichswehr. Im Herbst 1933 wurde die Simson & Co. KG an die Berlin-Suhler Waffen- und Fahrzeuge GmbH verpachtet, als Treuhänder wurde der Berliner Kaufmann und das NSDAP-Mitglied Herbert Hoffmann eingesetzt. Bereits 1934 sollte die Firma an den nicht-jüdischen Kaufmann Friedrich Flick verkauft werden, dieser lehnte jedoch ab. 1935 schließlich wurden die damaligen Eigentümer Julius und Arthur Simson zwangsenteignet und der Betrieb an Gauleiter Fritz Sauckel übertragen. Die Familie Simson emigrierte 1936 über die Schweiz in die USA.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen als Rüstungsbetrieb von den Alliierten weitestgehend abgebaut und 1947 in die Sowjetische Aktiengesellschaft Awtowelo integriert. Die Produktion wurde auf Motorräder umgestellt. Ab 1952 wurde der nunmehr volkseigene Betrieb VEB Fahrzeug- und Gerätewerke Simson Suhl im Industrieverband Fahrzeugbau der DDR eingegliedert. Nach der politischen Wende wurde der Betrieb privatisiert, der bislang hervorragende Exportmarkt für Simson brach zusammen, 1991 wurde das Unternehmen liquidiert. Im selben Jahr gründeten einige ehemalige Mitarbeiter die Firma neu. Sie wurde mit dem Traditionsnamen Simson in verschiedensten Zusammensetzungen bis 2003 weitergeführt.