Otto Bernheimer
- Lebensdaten: 1877 - 1960
- GND-Nr. 116146672
Biografie
Otto Bernheimer war Antiquitätenhändler und Kunstsammler.
Er kam als Sohn von Lehmann und Fanny Bernheimer, geb. Haimann, in München zur Welt. Sein Vater gründete 1864 in München ein Textilwarengeschäft, das sich später auf Teppiche und Ostasiatika und schließlich kostbare Inneneinrichtungen konzentrierte. Gemeinsam mit seinen Brüdern Max und Ernst stieg er 1893 in das Geschäft ein, wobei sich Otto auf antike Möbel, italienische Textilien, spanische Teppiche sowie Architekturteile und Kunstwerke spezialisierte. Entsprechend übernahm er den Einkauf in Italien und Spanien. 1905 heiratete Otto Bernheimer Lotte Guttmann.
Die Firma L. Bernheimer war ein international anerkanntes Unternehmen, zu dessen Kund*innen der europäische Hochadel, amerikanische Magnaten, Intellektuelle und Museen zählten. Den Ersten Weltkrieg sowie die Zeit danach überstand das Unternehmen halbwegs unbeschadet, da man sich, sobald keine Importe mehr möglich waren, auf den Einkauf in Deutschland beschränkte und darüber hinaus eine eigene Seidenweberei erwarb, um selbst hochwertige Stoffe herstellen zu können. Dennoch blieben die politische und die wirtschaftliche Lage instabil. 1935 verbarrikadierten SS-Leute das Geschäftshaus am Lenbachplatz und gaben es erst frei, als sie erfuhren, dass Otto Bernheimer seit 1931 mexikanischer Konsul war und das Geschäftsgebäude als Konsulat diente.
Eine Weile schützte die Prunksucht der Nationalsozialisten die Firma Bernheimer vor weiteren Übergriffen. Gleichzeitig wurde Otto Bernheimer u. a. aus dem Künstlerhausverein ausgeschlossen und seine Mitgliedschaft im Deutschen Museum aberkannt. Während der Novemberpogrome 1938 wurden Otto und seine Söhne Ludwig und Kurt nach Dachau verschleppt. Otto wurde auf Druck der mexikanischen Regierung wenige Tage später wieder freigelassen. Er wurde aber Opfer des sogenannten Münchner Kunstraubs der Gestapo. Außerdem wurde er von Hermann Göring gezwungen, eine heruntergewirtschaftete Kaffeeplantage in Rubio, Venezuela zu kaufen und bei der Emigration eine Tante und deren jüdischen Ehemann mitzunehmen.
1946 gehörte Otto Bernheimer zu den wenigen jüdischen Münchner*innen, die in ihre Heimatstadt zurückkehrten. Die Restitution seiner Firma und seines Vermögens zog sich über Jahre hin, viele Kunstobjekte und Bücher blieben lange verschollen. Otto Bernheimer setzte sich nach seiner Rückkehr maßgeblich für den Wiederaufbau Münchens ein.