Volkskunsthaus Wallach

Biografie

Im Jahr 1900 eröffnete Julius Wallach (1874-1965), Sohn des Getreidehändlers Heinemann Wallach und seiner Frau Julie, geb. Zunsheim, in der Lindwurmstraße 145 ein Trachtengeschäft mit einer eigenen Schneiderwerkstatt im Hinterhof.

Die Familie stammte ursprünglich aus dem westfälischen Geseke und ging später nach Bielefeld. Julius Wallach absolvierte eine Kaufmannslehre. 1896 trat er in Regensburg eine Stelle bei der Firma Meyer-Sundheimer an, ein Jahr später siedelte er nach München, wo er Möbelstoffe und Innenausstattungen bei der Firma Engländers Nachfolger verkaufte. Auch sein Bruder Moritz Wallach (1879-1964) wurde zum Kaufmann ausgebildet und arbeitete zunächst in Remscheid im Handel und in Bochum zusätzlich als Dekorateur. 1899 begann er im Münchner Hutmodehaus Heinrich Rothschild zu arbeiten. 1905 stieg Moritz in das von Julius gegründete Trachtengeschäft ein. Im selben Jahr zog das Geschäft ins Münchner Zentrum an den Petersberg 9. Besonders Julius Wallach erwarb im Alpenraum, in Skandinavien und den Niederlanden wie auch in Westdeutschland Trachten und Volkskunstgegenstände, die ihn für die Herstellung neuer Kleidung im Bereich Trachten und auch Ball- und Faschingskostüme inspirierten.

In dieser Zeit machten die Brüder Wallach das Dirndl salonfähig, wodurch sie international bekannt wurden. 1910 übersiedelte das Geschäft ins Eckhaus Residenz- / Perusastraße und machte in den folgenden Jahren mit vielfältigen Veranstaltungen von sich reden. Das Geschäft stattete nicht nur Adelige und Künstler*innen, sondern auch Theater sowie bspw. das Wiesnpersonal aus. In Anerkennung seiner Leistungen erhielt Julius Wallach den Titel „Königlicher Hoflieferant“.

Während des Ersten Weltkriegs rückte Julius Wallach ein, während Moritz die Geschäfte weiterführte. Der Export kam nahezu zum Erliegen, doch die Inlandsnachfrage wuchs. 1918 erwarben die Brüder ein Anwesen in der Ludwigstraße 7, das als Verkaufsraum für die eigenen Waren ebenso dienen sollte wie als Museum für die große Volkskunstsammlung der beiden. 1922 errichteten sie in Dachau die Wallach Werkstätten AG zur Herstellung eigener Stoffe und Mode sowie volkskundlicher Objekte. 1926 musste das Volkskunsthaus aufgrund von Geldknappheit ausverkauft werden, zwei Drittel der Sammlung wurden versteigert, das Palais verkauft.

Julius Wallach zog sich daraufhin an den Bodensee zurück und betrieb dort ein kleines Volkskunstgeschäft. Moritz hingegen errichtete an der Ecke Residenz- / Hofgrabenstraße das Wallach-Haus für Volkskunst und Landestrachten. Aufschwung erhielt das Geschäft durch die Uraufführung der Operette „Im Weißen Rössl“, deren Trachten und Requisiten Wallach produzierte und lieferte.

Die Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 hatte zunächst keine Auswirkungen auf das Geschäft, Moritz Wallach sah sich aber verstärkt antisemitischen Angriffen ausgesetzt. 1937 schließlich erfolgte durch die Reichskammer die Aufforderung, sein Geschäft zu verkaufen. Moritz Wallach weigerte sich, einen entsprechenden Vertrag, der nur etwa die Hälfte des Unternehmenswerts bezifferte, zu unterzeichnen, bis am 1. August 1938 eine zwangsweise Übergabe der Geschäftsschlüssel an den Kunsthändler Otto Witte erfolgte. Nach den Novemberpogromen beschlagnahmte die Gestapo Kunstgegenstände aus der Wohnung von Moritz und Meta Wallach. Im Frühjahr 1939 unterschrieb Wallach letztlich den Kaufvertrag, kurz darauf emigrierte er in die USA. Julius Wallach, der seit 1930 ebenfalls wieder in München lebte und einen kleinen Kunsthandwerksladen führte, wurde ebenfalls zwangsenteignet und kam nach mehrjähriger Flucht 1945 endlich ebenfalls in den USA an.

Moritz Wallach baute sich in New York einen neue Existenz auf und errichtete ein Hand Craft Studio, das er bis zu seinem Ruhestand betrieb.

Der Rückerstattungsprozess der Fabrik in Dachau sowie der Geschäftsräume des Trachtenhauses Wallach und auch der geraubten Kunstgegenstände wurde 1949 abgeschlossen. Max Sedlmayer, der von der Militärregierung als Treuhänder eingesetzt worden war, übernahm die Geschäftsführung, während Moritz Wallach in Amerika blieb. Julius Wallach kam zurück nach Bayern und ließ sich als amerikanischer Staatsbürger in Markt Neubeuern nieder. 1983 stellte das Dachauer Werk seinen Betrieb ein. 1985 verkauften die Erben das Münchner Geschäft an die Firma Loden-Frey, die es bis 2004 unter dem Namen Wallach weiterbetrieb.

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